„Tanz braucht eine starke Lobby“

Wir trauern um unser Ehrenmitglied Timm Ulrichs

Wir trauern um unser Mitglied TIMM ULRICHS, den hannoverschen Konzept- und “Totalkünstler”, wie er sich selbst gern bezeichnete. Er hat nicht nur die hannoversche Kunstszene mit seiner wortgewaltigen und meinungsstarken Kunst geprägt – oft eigensinnig, aber nie anbiedernd. Noch vor kurzem hatte er uns 50 handsignierte Exemplare einer seiner bekanntesten Arbeiten überreicht, um neue Mitglieder zu werben.

Der Tod hat früh eine Rolle in seinen Werken gespielt – in Hannover hat er uns unter anderem das “KopfsteinSteinPflaster” am Schiffgraben hinterlassen mit unzähligen Betonschädeln, die nach seinem eigenen Kopf abgegossen wurden. Seinen Grabstein hat er schon vor Jahrzehnten entworfen: “DENKEN SIE IMMER DARAN, MICH ZU VERGESSEN” – wir werden ihm ein ehrendes Gedenken bewahren. Er hatte noch viele Pläne – wir wünschen ihm, dass er sie jetzt in einem anderen Leben umsetzen kann!

RiP – TIMM ULRICHS

Timm Ulrichs unterstützte die Ballett Gesellschaft Hannover mit 50 handsignierten Drucken seiner Arbeit.

Ich kann keine Kunst mehr sehen!

Neue Vereinsmitglieder erhalten ein Exemplar zur Begrüßung. Ein paar Exemplare stehen noch zur Verfügung.

„Kunst, egal in welcher Form, und Finanzen stehen in einem Spannungsverhältnis“, erklärt Ulrichs seine Motivation. „Das gilt umso mehr für den Tanz, der sich schon immer gegen die schwierigsten Rahmenbedingungen durchsetzen musste. Der Tanz braucht eine starke Lobby. Diese Rolle übernimmt in Hannover die Ballett Gesellschaft.“

Entstanden ist das Bild vor 50 Jahren und hat nichts an Aktualität verloren. 1975 ging Ulrichs mit Brille, Blindenstock, gelber Armbinde und einem Schild mit dem Schriftzug „Ich kann keine Kunst mehr sehen!“ über die Art Cologne, eine der wichtigsten Kunstmessen. Mit dieser Performance kritisierte er die Kommerzialisierung des Kunstmarktes und warf zudem einen selbstironischen Blick auf seine eigene Profession.